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Linda Knüvener06.11.2026, 11:52:238 min read

Entitäten: Wenn KI deine Marke nicht kennt, finden deine Kunden dich nicht

Eine Entität ist ein eindeutig identifizierbares Ding mit Fakten und Beziehungen: dein Unternehmen, dein Produkt, deine Geschäftsführung. Google und KI-Systeme denken in Entitäten, Keywords sind für sie bloß der Weg zur Frage. Wer als Entität unklar ist, taucht in KI-Antworten schlicht nicht auf.Die unbequeme Wahrheit für viele B2B-Marketingteams: Euer Reporting misst Rankings für eine Suche, in der immer weniger geklickt wird. Entschieden wird an anderer Stelle, nämlich bei der Frage, ob eine Maschine dich kennt und richtig beschreibt.

Die Zahlen, die dein Ranking-Reporting alt aussehen lassen

  • Klicks halbieren sich. Pew Research hat knapp 69.000 Google-Suchen von 900 US-Erwachsenen aus dem März 2025 ausgewertet. Mit KI-Zusammenfassung klickten Nutzer in 8 Prozent der Fälle auf ein klassisches Suchergebnis, ohne Zusammenfassung in 15 Prozent. Auf einen Link in der Zusammenfassung selbst klickte nur 1 Prozent. (Pew Research Center)
  • Erwähnungen schlagen Backlinks. Ahrefs hat 75.000 Marken untersucht. Erwähnungen der Marke im Web korrelieren mit 0,664 mit der Sichtbarkeit in Googles KI-Übersichten, Backlinks nur mit 0,218. (Ahrefs)
  • Der Gewinner nimmt fast alles. Das Viertel mit den meisten Web-Erwähnungen kam im Median auf 169 Nennungen in KI-Übersichten, das nächste Viertel auf 14. Die untere Hälfte lag bei 0 bis 3. Rund 26 Prozent der Marken wurden überhaupt nicht genannt.
  • Google denkt seit Jahren so. Schon 2020 umfasste der Knowledge Graph mehr als 500 Milliarden Fakten über fünf Milliarden Entitäten.

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Zur Einordnung: Die Pew-Daten stammen aus den USA, die Ahrefs-Werte sind Korrelationen und kein Beweis für Ursache und Wirkung. Die Richtung ist trotzdem eindeutig. Sichtbarkeit verschiebt sich von deiner Seite hin zu dem, was die Maschine über dich weiß.

Was ist eine Entität? In 30 Sekunden

Entität = Identität + Attribute + Beziehungen.

  • Identität: Was ist das? Eine Organisation, ein Produkt, eine Person?
  • Attribute: Welche Fakten gehören dazu? Branche, Zielgruppe, Standort, Zahlen.
  • Beziehungen: Womit hängt es zusammen? Wer führt das Unternehmen, welches Produkt gehört zu wem, welche Probleme löst es?

Klingt banal, bis es Verwechslungsgefahr gibt. Unser eigener Name liegt nah an 6clicks und 6Clickz. Deshalb steht auf unserer Faktenseite über die sixclicks GmbH ein eigener Abschnitt, der genau diese Verbindung ausschließt. Das nennt man Disambiguierung. Die meisten B2B-Marken haben sich darüber noch nie Gedanken gemacht.

 

Keyword-Denken

Entitäten-Denken

Grundeinheit

Suchbegriff als Zeichenkette

Ding mit Identität, Attributen, Beziehungen

Leitfrage

Welche Wörter tippen Leute ein?

Weiß die Maschine, wer wir sind?

Erfolgsmaß

Position für Begriff X

Korrekte Nennung im richtigen Kontext

Wirkungsort

Die eigene Seite

Website plus alles, was andere über dich schreiben

Typisches Risiko

Seite rankt, Marke bleibt austauschbar

Widersprüchliche Fakten machen dich unsichtbar

Sieben Thesen, für die wir im Organic-Team geradestehen

 Diese Thesen sind keine Theorie vom Schreibtisch. Sie sind das Ergebnis unserer täglichen Arbeit mit B2B-Unternehmen aus Software, Industrie und Dienstleistung, und manche davon werden dir wehtun. 

1. Dein Ranking-Report ist eine Beruhigungspille.

Platz 3 für „CRM Software Mittelstand“ fühlt sich gut an. Steht darüber eine KI-Übersicht, die drei Wettbewerber nennt und dich nicht, ist dein Ranking eine Zahl ohne Geschäftswert. Rankings bleiben ein Frühindikator. Wer sie der Geschäftsführung als Erfolgsbeweis meldet, misst am Kunden vorbei.

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2. Wenn eine KI dich falsch beschreibt, ist das dein Problem.

Natürlich halluzinieren Modelle. Je dünner und widersprüchlicher die Fakten über dich sind, desto mehr Raum hat das Modell zum Raten. Drei Gründungsjahre im Netz, zwei Namen für dasselbe Produkt, ein LinkedIn-Profil von 2019: Dann rät das System. Und es rät selten zu deinen Gunsten.

3. Deine Marke gehört dir nicht. Sie gehört den Quellen, die über dich schreiben.

Deine Website ist eine Stimme unter vielen, und zwar die befangenste. Die Ahrefs-Daten zeigen: Was andere über dich schreiben, hängt deutlich stärker mit KI-Sichtbarkeit zusammen als jeder Linkaufbau. Schweigen Fachmedien, Partner, Verbände und Kunden über dich, rettet dich auch die schönste Website nicht. Gekaufte Erwähnungen sind keine Abkürzung: Google warnt ausdrücklich davor, inauthentischen Mentions hinterherzulaufen.

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4. Die meisten B2B-Websites sind für Maschinen Rauschen.

„Innovative Lösungen für nachhaltigen Erfolg“ enthält exakt null Fakten. Keine Maschine kann daraus ableiten, was du tust, für wen und mit welchem Ergebnis. Unsere Position: Startseite, Leistungs- und Produktseiten müssen so faktendicht sein wie eine Grounding Page. Eine Faktenseite, die deinen Produktseiten widerspricht, schadet mehr, als sie nützt.

5. llms.txt, Chunking und KI-Spezialtexte sind für Google Beschäftigungstherapie.

Das ist Googles eigene Aussage. Im offiziellen Leitfaden zu generativen KI-Funktionen steht: Google Search ignoriert llms.txt, Inhalte müssen nicht in Mini-Häppchen zerlegt oder für KI umgeschrieben werden, und spezielles Schema-Markup für KI gibt es nicht. Optimierung für generative Suche ist aus Googles Sicht schlicht SEO. Structured Data bleibt sinnvoll, etwa um die eigene Organisation von anderen abzugrenzen. Es übersetzt aber bloß, was auf der Seite steht. Andere KI-Anbieter können Dateien wie llms.txt nutzen. Wer dort sein Budget versenkt, während die Fakten auf der Website fehlen, hat die Reihenfolge vertauscht.

6. Jeder KI-Sichtbarkeits-Score ist eine Stichprobe. Behandle ihn auch so.

Kein Drittanbieter-Tool hat Zugriff auf Googles interne Ranking- oder KI-Systeme, schreibt Google selbst. KI-Antworten schwanken nach Formulierung, Zeitpunkt und Nutzer. Tools sind wertvoll, um Muster und Trends zu erkennen. Wer dir eine exakte Prozentzahl als Wahrheit verkauft, verkauft dir Scheingenauigkeit.

7. Entitätenarbeit ist Chefsache.

Wenn Geschäftsführung, Vertrieb und Marketing auf die Frage „Was sind wir?“ drei verschiedene Sätze sagen, liefert die KI drei verschiedene Antworten. Kein SEO-Team der Welt repariert das im Nachgang. Entitätenarbeit ist Positionierungsarbeit, nur mit gnadenloserem Feedback.

Wie das im B2B aussieht: drei Beispiele (fiktiv)

  • Software (Beispiel, fiktiv): Ein Anbieter vertreibt eine Projektmanagement-Lösung namens „Atlas“ für Ingenieurbüros. Das Problem: „Atlas“ ist ein Allerweltswort, und auf der Website heißt das Produkt mal „Atlas“, mal „Atlas PM“, mal „die Plattform“. Für eine KI sind das drei Dinge. Die Lösung ist ein Satz, der überall identisch steht: „Atlas ist eine Projektmanagement-Software für Ingenieur- und Planungsbüros von [Firma].“ Dazu benannte Integrationen, ein Profil auf Vergleichsplattformen mit derselben Kategorie und Fachbeiträge, die Produkt und Anbieter zusammen nennen.

  • Industrie (Beispiel, fiktiv): Ein Hersteller von Dosierpumpen hat 40 Modelle und auf der Website nur Imagetexte. Die Fakten stecken in PDF-Datenblättern, die niemand verlinkt. Entscheidend sind die Beziehungen: Welches Modell eignet sich für welches Medium in welcher Anwendung, mit welcher Fördermenge, nach welcher Norm? Erst wenn das auf den Produktseiten steht, kann ein System die Frage „Welche Pumpe für Natronlauge in der Wasseraufbereitung?“ mit diesem Hersteller verknüpfen.

  • Dienstleistung (Beispiel, fiktiv): Eine Datenschutzberatung lebt von ihren Köpfen, versteckt sie aber hinter „unser Expertenteam“. Hier sind Personen die wichtigsten Entitäten: Berater:innen mit Qualifikation, Fachgebiet, Veröffentlichungen und Vorträgen, verknüpft mit dem Unternehmen. Ohne Namen keine Expertise, ohne Expertise keine Nennung.

Gemessen wird in allen drei Fällen ähnlich: feste Test-Prompts in regelmäßigen Abständen (wirst du genannt, und stimmt die Beschreibung?), der Bericht zu generativen KI-Funktionen in der Google Search Console, die Entwicklung der Brand-Suchen und Anfragen, die im CRM mit der Quelle „KI-Assistent“ erfasst werden.

Der Entitäten-Check: fünf Fragen, die wehtun

  1. Frag ChatGPT, Gemini und Perplexity: „Was macht [dein Unternehmen]?“ Ist die Antwort korrekt, aktuell und spezifisch?
  2. Steht in den ersten zwei Sätzen deiner Startseite, was du bist, für wen und wo?
  3. Wie viele Versionen deines Produktnamens, deiner Mitarbeiterzahl und deines Gründungsjahres findest du im Netz?
  4. Wer außer dir hat in den letzten zwölf Monaten substanziell über dich geschrieben?
  5. Können Marketing und Vertrieb dieselben fünf Entitäten nennen, für die ihr stehen wollt?

Wenn du bei zwei oder mehr Fragen zögerst, hast du ein Entitätenproblem.

So gehst du vor

  1. Kernentitäten festlegen: Unternehmen, drei bis fünf Leistungen oder Produkte, die wichtigsten Köpfe, die Fachbegriffe, für die du stehen willst. Mehr nicht.
  2. Eine Quelle der Wahrheit anlegen: Name, Kategorie, Zielgruppe, Zahlen. Dann Website, LinkedIn, Verzeichnisse, Pressetexte und Datenblätter dagegen prüfen.
  3. Seiten faktendicht machen: Jede Kernseite beginnt mit einem Definitionssatz, nennt Attribute und verlinkt verwandte Entitäten.
  4. Maschinenlesbar auszeichnen: Organization, Person, Product oder Service, verbunden über sameAs mit deinen offiziellen Profilen.
  5. Draußen bestätigen lassen: Fachmedien, Partner, Verbände, Kundenstimmen. Mit echter Expertise, die andere zitieren wollen.

Was Entitätenarbeit nicht leisten kann

  • Keine Garantie: Niemand kann Nennungen in KI-Antworten zusagen. Wer es tut, verspricht mehr, als er kontrolliert.
  • Kein Quick Win: Deine Website änderst du in Tagen, externe Quellen und Modellwissen in Monaten.
  • Kein Gießkannenprinzip: Wer zwanzig Entitäten gleichzeitig stärken will, stärkt keine.
  • Kein Ersatz für Substanz: Strukturierte Daten müssen zu dem passen, was sichtbar auf der Seite steht.

Die Frage hat sich geändert

Lange lautete sie: „Auf welcher Position ranken wir?“ Heute lautet sie: „Wenn eine Einkaufsleiterin eine KI nach Anbietern fragt, kennt sie uns, und beschreibt sie uns richtig?“ Wer darauf keine Antwort hat, hat ein Positionierungsproblem, das sich in der Suche zeigt.

Wie wir das im Fachbereich Organic Growth angehen, über klassische Suche, Social und KI hinweg, zeigen wir dir gern an deiner eigenen Marke.

Häufig gestellte Fragen zu Enitäten

Was ist der Unterschied zwischen einem Keyword und einer Entität?

Ein Keyword ist eine Zeichenfolge, die Menschen eintippen. Eine Entität ist das Ding dahinter. „Bank“ ist ein Keyword, das Geldinstitut und die Parkbank sind zwei verschiedene Entitäten.

Sind Keywords damit tot?

Nein. Sie zeigen dir, wie Menschen über ein Problem sprechen. Über die Nennung in einer KI-Antwort entscheiden sie allein aber immer seltener.

Brauche ich eine eigene Grounding Page?

Als Einstieg ja, weil sie Fakten bündelt und Widersprüche sichtbar macht. Das Ziel ist eine Website, auf der jede wichtige Seite so faktendicht ist, dass die Grounding Page nur noch zusammenfasst.

Bringt Schema.org-Markup mehr KI-Sichtbarkeit?

Es hilft Maschinen beim Lesen und Zuordnen. Google sagt aber klar, dass für seine KI-Funktionen kein spezielles Markup nötig ist. Ohne Fakten auf der Seite gibt es nichts auszuzeichnen.

Wie lange dauert es, bis sich etwas verändert?

Änderungen auf der eigenen Website können bei suchgestützten KI-Antworten relativ schnell greifen. Bis externe Quellen und Modellwissen nachziehen, vergehen eher Monate.

 

Geschrieben von

Linda Knüvener

Linda Knüvener ist Senior Organic Growth Manager bei sixclicks und beschäftigt sich mit der Frage, wie aus digitaler Sichtbarkeit messbares Unternehmenswachstum wird. Ihr Fokus liegt auf SEO, Organic Growth und Content-Strategien, die nicht nur Reichweite schaffen, sondern echte Geschäftsergebnisse erzielen. Dabei verbindet sie strategisches Marketing mit einem tiefen Verständnis für Zielgruppen, Nutzerverhalten und Kaufentscheidungen.

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