Dienstag, 23:14 Uhr
Sandra sitzt noch am Küchentisch. Sie ist Head of Operations bei einem Maschinenbauer mit 300 Mitarbeitenden, und am Donnerstag soll sie der Geschäftsführung empfehlen, welche neue Software die Produktionsplanung übernimmt. Drei Anbieter sind übrig. Alle drei hatten gute Demos. Alle drei versprechen mehr Effizienz, weniger Stillstand, volle Transparenz.
Sandra glaubt keinem davon so richtig. Sie weiß, was passiert, wenn es schiefgeht. Das letzte große IT-Projekt im Haus lief über ein Jahr länger als geplant. Wer es damals empfohlen hat, ist heute nicht mehr im Unternehmen.
Also öffnet sie den Laptop und tippt: „häufigste Fehler Einführung Produktionsplanung“. Danach fragt sie ChatGPT, woran man einen Anbieter erkennt, der sich bei der Einführung übernimmt. Nach Tipps sucht sie nicht. Erfolgsgeschichten hat sie genug gesehen.
Um 23:40 Uhr landet sie auf einem Artikel eines der drei Anbieter: „Die 5 teuersten Fehler bei der Einführung einer Planungssoftware und wie du sie vermeidest“. Er beschreibt zwei Probleme, die sie aus dem letzten Projekt kennt. Und er zeigt, wie man sie vermeidet. Zum ersten Mal an diesem Abend hat Sandra das Gefühl, dass jemand weiß, wovon er redet.
Am Donnerstag empfiehlt sie diesen Anbieter.
Sandra ist erfunden. Den Abend, den sie erlebt, kennt fast jede Person, die im B2B eine große Entscheidung verantworten muss.
B2B-Marketing hat ein Optimismusproblem
Die meisten B2B-Unternehmen kommunizieren, als wären ihre Kunden Abenteurer auf der Suche nach dem schönsten Gipfel. Sie zeigen Panoramen, versprechen Potenziale, schreiben Tipps. Ihre Kunden sind aber keine Abenteurer. Sie sind Menschen wie Sandra, die vor allem eines wollen: heil ankommen, ohne sich vor der Geschäftsführung blamiert zu haben.
Stell dir zwei Bergführer vor.
Der erste schwärmt vom Sonnenaufgang auf dem Gipfel. Der zweite breitet eine Karte aus und zeigt dir, wo die Gletscherspalten unter dem Schnee liegen, wo das Wetter am Nachmittag kippt und wo die meisten Seilschaften zu spät umdrehen. Dann erklärt er, wie ihr an allen drei Stellen sicher vorbeikommt.
Mit wem gehst du auf den Berg?
Genau das ist die These dieses Artikels: Im B2B gewinnt der Anbieter, der die Risiken seiner Kunden besser kennt als sie selbst. Wer nur vom Gipfel erzählt, wirkt austauschbar. Wer die Bergspalten zeigt, wird zum Bergführer.
Warum das kein Bauchgefühl ist
Drei Erkenntnisse aus der Forschung reichen, um den Effekt zu verstehen:
- Verluste schmerzen stärker, als Gewinne freuen. Das zeigten Daniel Kahneman und Amos Tversky schon 1979 mit ihrer Prospect Theory: Die Bewertungskurve für Verluste verläuft steiler als für Gewinne (Econometrica). Wie groß der Unterschied genau ist, wird bis heute diskutiert. Die Richtung kaum.
- Negative Wörter bringen mehr Klicks. Eine Auswertung von rund 105.000 getesteten Headline-Varianten des Portals Upworthy ergab: Jedes zusätzliche negative Wort erhöhte die Klickrate um 2,3 Prozent, positive Wörter senkten sie (Robertson et al., 2023). Das ist eine Studie zu Nachrichten, aber der Mechanismus ist derselbe.
- Im B2B ist das Risiko persönlich. In einer Studie von CEB, heute Gartner, mit Google und Motista unter mehr als 3.000 B2B-Kunden sahen Käufer ein reales persönliches Risiko darin, sich für einen Anbieter starkzumachen. Ein gescheitertes CRM-Projekt kann sogar den Job kosten (Adobe Blog, CEB-Studie).
Kurz gesagt: Wer im B2B einen Anbieter empfiehlt, hängt mit am Seil.
Am Seil hängen mehrere
Im B2B geht selten jemand allein auf den Berg. Das Buying Center ist eine Seilschaft, und jedes Mitglied hat seine eigene Gletscherspalte im Kopf.
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Wer am Seil hängt |
Die Spalte, die er fürchtet |
Was dein Content beantworten sollte |
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Geschäftsführung |
Ein Projekt, das Geld verbrennt und nie fertig wird |
Welche Projekte scheitern, und woran man das früh erkennt |
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IT |
Sicherheitslücken, Schnittstellen, Altlasten |
Typische technische Stolpersteine und wie man sie vermeidet |
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Einkauf |
Versteckte Kosten und Abhängigkeiten |
Wo Folgekosten entstehen und welche Vertragsfehler teuer werden |
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Fachabteilung |
Ein Tool, das im Alltag niemand nutzt |
Warum Akzeptanz scheitert und wie Einführungen trotzdem gelingen |
Wer nur einen davon überzeugt, kommt nicht auf den Gipfel. Und wer niemanden überzeugt, verliert gegen den häufigsten Wettbewerber im B2B: „Wir bleiben erst mal im Tal.“
Bergführer oder Panikmacher?
Jetzt kommt die wichtigste Unterscheidung. Es gibt einen dritten Typ am Berg: den Panikmacher. Er erzählt dir, dass der Berg tödlich ist und du ohne ihn sowieso nicht überlebst. Mit dem geht auch niemand gern los.
Die Upworthy-Studie zeigt genau das: Wörter, die Traurigkeit ausdrücken, steigerten die Klicks, Wörter, die Angst ausdrücken, senkten sie (Psychology Today zur Studie). Im B2B kommt dazu: Erfahrene Entscheider merken sofort, wenn jemand Druck aufbaut, und gehen auf Abstand.
So klingt der Unterschied:
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Der Schwärmer |
Der Panikmacher |
Der Bergführer |
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7 Tipps für eine erfolgreiche CRM-Einführung |
Warum dein CRM-Projekt scheitern wird |
Die 5 teuersten Fehler bei der CRM-Einführung und wie du sie vermeidest |
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So holst du mehr aus deinen Maschinen heraus |
Stillstand ruiniert dein Unternehmen |
Woran du ungeplante Ausfälle frühzeitig erkennst |
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Die Vorteile einer neuen Agentur |
Deine Agentur verbrennt dein Budget |
6 Warnsignale, dass deine Agentur nicht zu dir passt |
Die Faustregel: Der Bergführer ist konkret, belegt und zeigt einen Ausweg. Der Panikmacher ist vage, übertrieben und lässt dich allein.
Welche Spalte auf welchem Abschnitt der Route liegt
Eine Tour hat Etappen, und jede hat ihre eigenen Gefahren. Bei der Customer Journey ist es genauso.
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Etappe |
Die typische Sorge |
Dein Content |
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Bewusstsein |
Was kostet es uns, nichts zu tun? |
Die Kosten des Status quo sichtbar machen |
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Überlegung |
Welcher Lösungsweg kann scheitern? |
„Die häufigsten Fehler bei …“, ehrliche Vergleiche |
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Auswahl |
Woran erkenne ich den falschen Anbieter? |
Checkliste mit Warnsignalen, Fallstudien mit Kurskorrekturen |
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Onboarding |
Was kann bei der Einführung schiefgehen? |
Einführungsleitfaden mit Stolpersteinen |
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Impact |
Warum kommt der Nutzen nicht an? |
Fehleranalysen mit Gegenmaßnahmen |
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Expansion |
Was riskieren wir beim Ausbau? |
Erfahrungsberichte und Entscheidungshilfen |
Am steilsten wird es in Überlegung und Auswahl. Dort vergleichen Kunden, dort entscheiden sie, wem sie ihr Seil anvertrauen. Genau dort brauchst du deinen stärksten Risiko-Content.
Deine Kunden fragen längst nach den Bergspalten
Schau dir an, wie Menschen suchen: „Fehler bei“, „Risiken von“, „... Nachteile“, „worauf achten bei“. Hinter solchen Suchanfragen steckt fast immer eine konkrete Sorge, und damit echte Kaufabsicht.
In KI-Systemen wird das noch deutlicher. Dort tippen Menschen keine Stichworte, sie formulieren ihre Sorge aus: „Was sind die häufigsten Fehler bei der Einführung eines CRM im Mittelstand?“ Wer genau solche Fragen sauber beantwortet, ist der natürliche Kandidat für die Antwort.
Jede Customer Journey beginnt mit einem Problem
In unserem Customer-Journey-Modell steht ganz am Anfang ein Zustand: der Trigger. Er ist der Moment, in dem sich bei einem Unternehmen etwas ändert und eine Kaufentscheidung überhaupt erst denkbar wird.
Schau dir an, wie solche Trigger aussehen: eine Maschine, die zum dritten Mal im Quartal ausfällt. Ein Wachstumsschub, den die alten Prozesse nicht mehr tragen. Eine neue Regulierung. Ein gescheitertes Projekt. Fast nie ist es eine Chance, die jemanden morgens aufweckt. Fast immer ist es ein Problem, ein Risiko oder ein drohender Verlust.
Daraus folgt etwas, das viele Marketingteams übersehen: Wenn die Journey mit einem Problem beginnt, muss auch der Content beim Problem einsteigen. Wer mit Lösungen und Potenzialen startet, spricht Menschen an, die noch gar nicht wissen, warum sie zuhören sollten.
Die besten Fehler-Themen liegen im Vertrieb
Und wo findet man die echten Sorgen der Kunden? Selten in Keyword-Tools. Fast immer im Vertrieb.
Vertriebsteams hören jeden Tag, wovor Kunden Angst haben: in Einwänden, in kritischen Rückfragen, in Deals, die am Ende doch nicht zustande kommen. Genau deshalb denken wir bei sixclicks Marketing und Vertrieb als ein System. Revenue Marketing heißt für uns, dass Content dort ansetzt, wo Deals wackeln.
Der praktische Hebel steckt im CRM. Wer Einwände und Verlustgründe sauber in HubSpot erfasst, hat eine Liste der Risiken, die Kunden wirklich beschäftigen, sortiert nach Häufigkeit und nach Phase der Customer Journey. Aus jedem häufigen Einwand lässt sich ein Fehler-Artikel, eine Checkliste oder ein Webinar machen. Und im selben CRM lässt sich später messen, ob genau diese Inhalte Deals stabilisieren.
Aus dieser Perspektive beantwortet Fehler-Content genau die Fragen, die dein Vertrieb sonst jedes Mal einzeln beantworten muss.
Vorher, nachher: ein Beispiel
Beispiel (fiktiv): Unternehmen und Details sind erfunden. Sie zeigen das Vorgehen, keine garantierten Ergebnisse.
Ein Softwareanbieter für Instandhaltungsplanung in der Industrie stellt seinen Content um.
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Vorher: der Schwärmer |
Nachher: der Bergführer |
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Blogartikel |
„7 Tipps für eine effiziente Instandhaltung“ |
„Die 5 teuersten Fehler bei der Einführung einer Instandhaltungssoftware“, geschrieben mit dem Leiter Customer Success |
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Social |
Produktfeatures und Messefotos |
LinkedIn-Serie mit einem typischen Fehler pro Woche |
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Event |
Produktdemo |
Webinar „Was bei Einführungen wirklich schiefgeht“ |
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Vertrieb |
Produktbroschüre nach dem Erstgespräch |
Checkliste mit Warnsignalen für die Anbieterauswahl, die der Ansprechpartner intern weitergeben kann |
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Messung |
Seitenaufrufe |
Im CRM: Welche Kontakte haben vor einer Demo-Anfrage Fehler-Inhalte genutzt? |
Die Lektion: Der Anbieter musste nichts Neues erfinden. Er musste aufhören, vom Gipfel zu schwärmen, und anfangen, die Route zu erklären.
Der Bergführer-Check für deinen nächsten Artikel
Bevor du einen Fehler-Artikel veröffentlichst, geh diese Fragen durch:
- Stammen die Fehler aus echter Praxis, aus Vertrieb, Support oder Projekten?
- Bekommt jeder Fehler einen Ausweg?
- Ist die Headline konkret statt dramatisch?
- Spricht der Text auch das persönliche Risiko an, nicht nur das des Unternehmens?
- Ist klar, für welche Etappe der Customer Journey der Inhalt gedacht ist?
- Weißt du, wie du im CRM misst, ob er Pipeline bringt?
Wann du lieber vom Gipfel erzählst
Risiko-Content ist kein Allheilmittel. Vision, Innovation und Erfolgsgeschichten brauchen weiterhin positive Inhalte, denn niemand geht auf einen Berg, nur um Spalten zu vermeiden. Und wer jede Headline mit „Fehler“ beginnt, stumpft sein Publikum ab. Die Mischung macht es: Zeig den Gipfel, aber erkläre die Route.
Die Quintessenz
Erinnerst du dich an Sandra? Sie hat sich nicht für den Anbieter mit der besten Demo entschieden und auch nicht für den mit den meisten Features. Sie hat sich für den entschieden, der ihr um 23:40 Uhr gezeigt hat, dass er ihre Sorgen kennt.
Darum geht es: Kunden kaufen im B2B selten den schönsten Gipfel. Sie kaufen die sicherste Route. Wer die Risiken seiner Kunden offen anspricht und einen Weg daran vorbei zeigt, wird zum Bergführer, lange bevor das erste Verkaufsgespräch stattfindet. Wer weiter nur vom Gipfel schwärmt, bleibt einer von drei Anbietern mit guter Demo.
Ob dein Risiko-Content wirklich Pipeline erzeugt, zeigt dir ein sauberes CRM-Reporting über Revenue Operations. Und wenn du wissen willst, welche Sorgen deiner Zielgruppe dein Content heute noch nicht beantwortet, schau dir unseren Ansatz für Organic Growth im B2B an.
Häufig gestellte Fragen
Rund um Negativität im Marketing gibt es viele Missverständnisse, vor allem die Sorge, damit in Clickbait abzurutschen. Hier findest du kurze Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Die Neigung, negative Informationen stärker zu gewichten als positive. Im Marketing zeigt er sich darin, dass Menschen auf Risiken und Fehler stärker reagieren als auf Chancen.
Nur, wenn er übertreibt oder keine Lösung liefert. Konkrete Fehler mit Gegenmaßnahmen sind Beratung und zeigen echte Erfahrung.
Weil Fehlentscheidungen im B2B persönliche Folgen haben können, etwa für Glaubwürdigkeit und Karriere. Entscheider suchen deshalb vor allem Absicherung.
Nein. Teste Framing für deine Zielgruppe und dosiere Risiko-Content bewusst. Angst und Übertreibung schaden eher.
Am besten im CRM: Welche Kontakte haben vor einer Anfrage Fehler-Inhalte genutzt, und wie entwickeln sich diese Leads? Klickraten allein sagen wenig über Pipeline.

Geschrieben von
Linda Knüvener
Linda Knüvener ist Senior Organic Growth Manager bei sixclicks und beschäftigt sich mit der Frage, wie aus digitaler Sichtbarkeit messbares Unternehmenswachstum wird. Ihr Fokus liegt auf SEO, Organic Growth und Content-Strategien, die nicht nur Reichweite schaffen, sondern echte Geschäftsergebnisse erzielen. Dabei verbindet sie strategisches Marketing mit einem tiefen Verständnis für Zielgruppen, Nutzerverhalten und Kaufentscheidungen.